Eine kurze Geschichte des Rollenspiels

Das Spiel ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit, oder zumindest schon sehr lange mit der Geschichte der Menschheit verwoben. Das aktuell wohl älteste gefundene Spiel findet sich im British Museum. Es ist ca. 4600 Jahre alt und damit wahrscheinlich auch der Vorläufer des Königlichen Spiels von Ur.

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https://www.britishmuseum.org/collection/image/1613361042

Etwa um 400 vor Christus ersannen die Griechen eine andere Form des Spiels. Das Schauspiel, oder besser gesagt das Drama. Das älteste überlieferte Drama datiert auf 472 vor Christus und war eine der großen Tragödien des Dichters Aischylos. Das Stück handelt vom Untergang der persischen Flotte in der Seeschlacht von Salamis und das finde ich hier noch spannender ist geschildert aus der fiktiven Sicht des persischen Königshofes.

Handelt es sich dabei um die älteste Form des Schauspiels? Betrachten wir alte Höhlenmalereien oder die großen Vorchristlichen Kulturen, können wir davon ausgehen das sich gerade im Kontext ritueller Erzählungen das Schauspiel bereits viel früher entwickelt hat.

Warum hole ich so weit aus, wenn ich mich doch mit einer viel jüngeren Form des Spielens beschäftigen möchte?

Auch wenn das Spiel oder das Spielen in unserer heutigen Kultur gerne noch belächelt wird, oder eher als kindlich angesehen wird, ist es weit mehr mit uns und unserem Antrieb verknüpft als man im ersten Augenschein denken mag.

Nach Huizinga definiert sich Spiel wie folgt: „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgelegter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewußtsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“

Chainmail – Geburt des Rollenspiels

Als Jeff Perren und Gary Gygax Anfang  der 70er Jahre Chainmail erschufen hatten sie Huizingas Definition zum Homo Ludens wohl nicht im Ohr aber genau das schafften sie. Und war Chainmail erst einmal ein Regelsystem zur Darstellung von Fantasykämpfen mit Miniaturen, so ist es dennoch der Ursprung von Dungeon and Dragons, dem wohl bekanntesten Pen & Paper Rollenspielsystems.

Die 70er und 80er Jahre waren das Zeitalter des Rollenspiels. Anfang der der 80er Jahre erschien mit Midgard das erste deutsche Rollenspiel und selbst wenn man mit Spielen nicht viel am Hut hat sind den meisten die Namen Das Schwarze Auge oder das Brettspiel Talisman ein Begriff.

Worin besteht der Reiz eines Rollenspiels?

In Pen & Paper Rollenspielen erzählen der Spielleiter (Game Master) und die Spieler*Innen eine gemeinsame Geschichte. Die gesamte Handlung lebt von der Fantasy der Teilnehmenden. Die Handlung der Charaktere, Ihr Aussehen und die Welt in der sie sich bewegen befindet sich dabei allein in den Köpfen der Spieler*Innen.

In der Rolle des Game Masters entwickelst du das Drehbuch, oder grobe Handlungsgerüst der Welt und der Geschichte, die du erzählen möchtest. Der GM ist Bühnenbauer, Drehbuchautor, Moderator, Antagonist und Nebendarsteller für die Spielgruppe.

In dieser Erschaffenen Geschichte können sich die Spielercharaktere frei bewegen und entscheiden welchen Weg sie einschlagen wollen und welches Abenteuer sie entdecken möchten. Ob eine Handlung der gespielten Charaktere erfolgreich ist oder scheitert wird an Hand von vorher definierten Fertigkeiten und Würfelproben entschieden.

Somit bleibt mit jeder Probe auch immer ein Moment des Faktors Glück oder Zufalls durch die Würfelprobe.

Die Grenzen existieren allein in deinem Kopf

Ich denke für mich liegt der größte Reiz in der großen Freiheit und Vielfalt der Geschichten die gemeinsam erkundet und erzählt werden wollen. Bin ich ein Archäologe in den 60er Jahren auf der Suche nach dem Maya Schatz? Möchte ich lieber hoch zu Roß mit meinem Knappen das Mittelalter erkunden? Wie sieht das Leben im Jahr 2075 aus? Die Grenzen der Erzählungen existieren allein in deiner Vorstellungskraft.

Potential für Facilitation und Einsatz im Arbeitskontext

Wenn du ein paar Jahre dich aktiv mit dem Thema Rollenspiel auseinandergesetzt hast und Erfahrungen als Spielleiter*In gesammelt hast, kommst du vielleicht so wie ich auf den Gedanken, das es das ein oder andere Element gibt, dass dir auch in deinem Arbeitsalltag helfen kann.

Wie strukturiere ich Abenteuer / Wie strukturiere ich einen Workshop?
Wie erzähle ich eine spannende Geschichte / Wie pitche ich spannend meine Idee?
Was macht gute Rollenspielgruppen aus / Was macht gute Teams aus?
Lässt sich die spielerische Immersion des Rollenspiels auf Erfahrungen im Arbeitsalltag übertragen?
Wenn Geschichten Menschen zusammenschweißen, lässt sich das auch für Teambuilding verwenden? Um nur ein paar Gedankengänge zu nennen.

Rollenspiel & Facilitation – Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten

Mit Janek Panneiß und Jacob Chromy habe ich zwei Abenteurer gefunden die ebenso wie ich Spaß daran haben, genau diesen Fragen auf den Grund zu gehen. In unserer Session Rollenspiel und Facilitation möchten wir euch mit auf diese Reise nehmen und weitere Gemeinsamkeiten finden.

https://cld21.colearn.de/veranstaltung/diskussion-rollenspiel-facilitation-auf-der-suche-nach-gemeinsamkeiten

Quellen:
Der erste Zeitvertreib der Menschen: https://www.sueddeutsche.de/wissen/serie-die-kleinen-grossen-dinge-raus-bist-du-1.3137701
Königliches Spiel von Ur: https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigliches_Spiel_von_Ur
Älteste Tragödie Die Perser: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Perser
Huizinga Spieltheorie: https://www.ludologie.de/multiplayer/detailansicht/news/johan-huizinga-1872-1945-homo-ludens-spiel-als-ursprungsort-von-kultur/
Chainmail: https://www.acaeum.com/ddindexes/setpages/chainmail.html
Geschichte DSA: https://de.ign.com/feature/77666/die-geschichte-von-das-schwarze-auge-teil-i

Featured Image: Photo by Clint Bustrillos on Unsplash 

Markus Schönell

Markus Schönell

Fuelled by coffee, books, and magic Neo-Generalist - Gamemaster - Storyteller - Lernbegleiter - Menschenfreund

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