Notizen zu “Killerphrasen” Fr, 16.04.

Hallo und vielen Dank für die interessanten Diskussionen!

Ich habe für mich selbst eine kurze Mitschrift von zwei Sessions angefertigt und würde sie hier, kombiniert mit dem Ausgangsbeitrag, ganz unzeremoniell und unbearbeitet hochladen.

“Immunisierung gegen Killerphrasen im Corporate Learning” von Herwig Kummer, 16.04.2021 – meine Notizen in Kursiv

Killerphrasen im CorporateLearning

SessiongeberIn: Herwig Kummer

Wir kennen sie alle – die Totschlagargumente, warum das Angebot gerade jetzt und überhaupt so nicht passt. In unserer gestrigen Session haben wir mal mit einer Sammlung begonnen, die wir hier in den Kommentaren gerne erweitern können. Kommenden Freitag wollen wir in einer weiteren Session uns dafür Immunisierungsstrategien überlegen.

Quellen dieser Phrasen gibt es viele im Unternehmen: Geschäftsführung, direkte Vorgesetzte oder auch Mitarbeiter selbst bringen sie immer wieder. Hier kommen nun die “Klassiker” in komprimierter Form:

Das ist doch alles viel zu teuer.

Der Ruf nach den (unmäßigen) Kosten ist sehr rasch da – und damit verbunden die Frage nach den Wirkungen und Ergebnissen (siehe unten).

Dennoch gibt es einen Grund-Konsens in Unternehmen: Training brauchen wir. Das hilft. Dennoch wird immer hinterfragt, u.a. auch die Nutzbarkeit dieser Investitionen: Warum sollen wir das noch finanzieren – und danach kündigen sie dann. Oder die lernen was und bauen Kompetenzen auf – und dann haben wir keine passende Stelle frei.

“Budget” ist meist vorgeschoben, da es sich um politische Entscheidung handelt. Wenn etwas gewollt ist, ist plötzlich auch Budget vorhanden… 

Können wir es uns leisten, das vorgeschlagene Projekt NICHT zu machen? Finanzielle Auswirkungen (wenn möglich anhand von KPIs) aufzeigen: welche finanziellen Vorteile haben wir bei der Realisierung? Welche finanziellen Nachteile oder Mehrkosten haben wir, wenn wir es nicht machen?

Bei konkretem, spezifischen Projekt, das als zu teuer moniert wird: Marktrecherche, Preisvergleich – lässt sich das Projekt zu Recht skalieren? Was passiert, wenn wir bei einem günstigeren (aber unspezifischeren) Anbieter “von der Stange” kaufen? Wieviel schlechter wäre eine interne Lösung? -> “Wer billig kauft, kauft doppelt!”

“Was wäre denn für Sie die Idealsituation? Was soll sich ändern?”: auf diese Weise Gesprächspartner aus sich herauslocken und ins Überlegen bringen, wodurch der Blick vom Preis weg auf den Nutzen gelenkt wird.

Kaum hätten wir diese Argumentationshürde übersprungen, kommt dann:

Dafür haben wir (jetzt) keine Zeit.

Es werden die generell nötigen Zeitressourcen in Frage gestellt, die (nicht) zur Verfügung stehen. Schließlich müssen die Lernenden ja arbeiten auch. “Geht das auch kompakter? Brauchen wir da wirklich einen Workshop, kann man das nicht in einem Team-Meeting kurz besprechen?” Nicht zu lange weg vom Arbeitsplatz oder der Linie – das Tagesgeschäft darf darunter nicht leiden.

Oder es sind die (zeitlichen) Umstände, die – im besten Fall – zur Diskussion führen: “Das geht grad nicht”, “Das lohnt sich jetzt nicht mehr, es sind ja bald [Sommerferien, Weihnachten, Ostern, …]” (Zutreffendes bitte streichen oder Eigenes einsetzen)

Blick auf weiteren Zeithorizont lenken: was bedeutet das Projekt mittel- oder langfristig? Strategische Planungen müssen auch im Alltag integriert werden.

Ist der angestrebte Lerninhalt genügend mit dem Arbeitsalltag verknüpft? Eventuelle Zeitersparnis aufzeigen.

Verweis auf andere äußere Zwänge (neben der Kundenprojekt-Deadline): was ist beispielsweise mit dem QM-Audit oder den gesetzlichen Regelungen?

“Passt JETZT nicht”: einmaliges Verschieben ist in Ordnung, aber direkt einen neuen Zeitpunkt erfragen, zu dem es passender sein wird, und diesen verbindlich machen.

Wir machen doch schon total viel.

“Schon wieder was Neues? Wie lange wird es wohl dauern, bis das dann wieder umgestellt wird?”, hört man oft von kritischen Mitarbeitern.

Neue Angebote oder unbekannte Formate haben´s da noch viel schwerer: “Warum sollten wir das so tun? Das hat noch nie funktioniert. Da haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen”. Oder knapp: “Die anderen, auch großen, Unternehmen machen das ja auch so.”

Und wer´s argumentativ bis hier her geschafft hat, scheitert oft an organisationen Ausreden Gründen: “Das kann ich als kleine Führungskraft sicher nicht selbst entscheiden.”

Was bringt denn das?

Und zu guter Letzt, die wohl größte Hürde: “Welche Ergebnisse haben wir aus dem Invest denn konkret zu erwarten?”, also “Was kommt denn da bei raus?”

Damit werden Veränderungsprozessen “lineare Logiken” unterstellt, die es aber so in der Welt nicht gibt. Diese Frage ist selten klar, stimmig und nachrechenbar beantwortbar. Unsere Aktivitäten zielen auf Wirkungen (die sie erreichen oder auch nicht), haben aber immer auch Neben-Wirkungen: also Impulse für die Kultur, Erfahrungen und Lernerfolge so en passant, ganz nebenbei.

Ziele vorher genau definieren und im Anschluss analysieren, was es gebracht hat, gern messbar (Beispiel Verbesserung der Führung: Regelmäßigkeit der Feedbackgespräche kann erhoben werden)

Garantie, dass es wirkt? Die Verantwortung für Umsetzung und Verankerung im Unternehmen liegt auch bei den Führungskräften / Top-Management, hier auf die eigene Verantwortung verweisen. Es gibt keine “Mitarbeiter-Waschstraße”, durch die Trainingsanbieter oder Personalentwicklungs-Abteilung die MA durchschleusen, und dann kommen sie fix und fertig zurück ins Unternehmen…

Das zur Verfügung stehende Angebot nicht aufzählen, sondern an die Unternehmenssituation angepasst maßschneidern.

Und was darauf antworten?

Die Liste ist sicher noch nicht vollständig. Ihr könnt gerne hier in den Kommentaren um Eure erlebten “Killerphrasen” ergänzen.

Was ist Eure Erfahrung, was Antwortet Ihr auf diese Einwände? Eure Tipps könnt ihr hier ebenfalls in die Kommentare stellen. Ich fasse diese in Vorbereitung auf die Session kommenden Freitag: dort werden wir uns mit Euren Immunisierungs-Ideen beschäftigten.

Valeska Szalla

Valeska Szalla

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